Meine faszinierendste Begegnung mit Menschen – Ghana

Tagesetappe Kumasi – Molé Nationalpark

Wir sind auf dem Weg von Kumasi zum Molé Nationalpark. Es ist einer dieser extrem heissen Tage wo einem, gefühlte zwei Sekunden nach dem Aussteigen aus dem klimatisierten Minibus sofort der Schweiss herunterläuft. Trotzdem sind wir froh, während dieser langen Tagesfahrt ein paar Mal die Füsse vertreten zu können.

Unser Fahrer Yaya hält nach einer Weile Fahrt bei einer Gruppe von Frauen an. Jede von ihnen trägt frische Früchte und Gemüse en masse auf ihrem Kopf und transportieren diese mühelos. Yaya erklärt uns, dass wir nachher eine spezielle Familie besuchen und wir ihnen ein kleines Geschenk in Form von Essen mitbringen sollen. Wir kaufen für einen nicht erwähnenswerten Betrag 2 riesige Bananenstauden und fahren weiter. Ich liebe diese frischen, süssen Früchte hier, darum stibitzte ich auch gleich eine davon – man muss ja probieren, was man verschenkt 😉

Wen besuchen wir denn heute?

Wir fahren noch etwa eine Stunde und halten am linken Strassenrand an, mitten im Nirgendwo. Manchmal zeigt uns Yaya einige Pflanzen oder Tiere, die er am Strassenrand erblickt und wir waren gespannt, was es dieses Mal wohl sein wird. Er sagt, wir sollen unsere Kameras einpacken und nahm noch einen Kleidersack, den wir von der Schweiz mitgebracht haben unter den Arm und läuft durch die trockenen Büsche. Wir laufen nur ca. 200m weg von der Strasse und stehen nun inmitten von verlassenen Häusern – es ist wohl niemand zu Hause. Yaya meinte, dass er mitbekommen habe, dass eine Nomadenfamilie erst gerade hier angekommen ist, und vermutlich auf Nahrungssuche ist, um sich hier niederzulassen. Wir stehen da einige Minuten, als die ersten bunt bekleideten Kinder angerannt kommen. Normalerweise wurden wir hier in Westafrika fast überrannt, diese halten jedoch ein paar Meter Abstand und schauten uns ziemlich erstaunt und ein wenig verängstigt an. Aus allen Löchern und hinter Bäumen kommen immer weitere Frauen und Kinder mit ihren wunderschönen Bunten Kleidern hervor. Die Familie zieht ständig herum und hat darum ihre eigene Sprache – auch Yaya – der im Nachbarland Togo heimisch ist, kann nicht mit ihnen kommunizieren. Nun starren uns etwa 60 Augenpaare gespannt an, aber keine sagt irgendwas. Ich muss zugeben, ich weiss in dem Moment auch nicht, was ich tun oder sagen sollte – aber ein Lächeln kommt immer gut an – leider lächelte auch niemand zurück… Ein älterer Mann kommt hinzu, er ist das Familienoberhaupt und spricht tatsächlich eine Dialektsprache, die Yaya auch ein wenig versteht. Er spricht kurz mit dem Mann und wendet sich wieder uns zu. Er erklärt, dass alle sich heute so schön gekleidet haben, weil Umzugstag ist und die Männer seien auf der Jagd, weshalb niemand von ihnen zu sehen ist. Anscheinend haben die meisten Mitglieder der Familie noch nie einen “Weissen” gesehen und denken gemäss Yaya, wir hätten eine seltene Krankheit, dass unsere Haut so anders aussieht. Yaya nimmt meine Kamera und sagt er mache ein Gruppenfoto mit uns., dies hilft mit Sicherheit. Alle halten immer noch einen Sicherheitsabstand von min. einem Meter und schauen kritisch.

 … das Eis ist gebrochen

Ich habe nun das Gruppenbild auf meiner Digitalkamera und zeige es den Kindern neben mir. Und da war das Eis gebrochen, Freude bricht aus, ein Lachen, alle Menschen scharen sich um uns und unsere Kamera, jeder will das Bild sehen und möchten natürlich unbedingt noch mehr Fotos machen. Die meisten von ihnen haben sich selber noch nie gesehen, was ein absoluten Highlight ist!

Neben tausenden Fotos verteilt Yaya nun unsere Kleider an die Kinder, die Freude ist enorm! Die meisten ziehen sich die Pullover, T-Shirts und Kleider gleich mit Stolz über.

Leider können wir nicht mit ihnen reden aber in so einem Augenblick braucht es auch nicht unbedingt Worte. Wir könnten uns hier noch stundenlang anlächeln, Fotos zeigen, aber wir müssen weiter. Wir laufen zurück zum Auto, die ausnahmslos komplette Familie uns hinterher und scharte sich um unser Auto. Wir haben ja noch die Bananen – diese haben wir fast vergessen! Ich nehme die Staude und fange an, jedem eine zu verteilen. Es gibt ein grosses Gedränge aber schlussendlich haben wir genug für alle da und alle strahlen uns entgegen.

Nun müssen wir langsam weiter, wir haben noch 2-3 Stunden Fahrt vor uns und hoffen vor Dunkelheit im Mole Nationalpark anzukommen. Wir steigen ein und winken allen zu, alle winken zurück und vor allem die Jungs rennen uns noch springend eine Weile hinterher bis wir sie aus den Augen – aber bis heute, 3 Jahre später, nicht aus unserem Sinn verloren haben.

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