Kurz machte es nur noch «Bum, Bum, Bum» – Uganda

Es ist morgens 05.30 Uhr, ich bin müde. Als jedoch unser Geländefahrzeug vorfuhr beginnt ein kleines Kribbeln in meinem Bauch. Es war kaum hell und ich beobachtete mit halboffenen Augen den Sonnenaufgang über dem Lake Bunyonyi. Beim Bwindi Impernetrable Nationalpark angekommen, wurde ich immer nervöser – bald beginnt dieses lang ersehnte Abenteuer! Ich werde mit einem kurzen «Jambo» begrüsst und da ging’s auch schon los!
Mit einem Gehstock und einem Rucksack voll Wasser ausgerüstet laufe ich meinem Guide John hinterher direkt in den Wald, dicht gefolgt von den anderen 7 Reiseteilnehmer aus aller Welt, einem Funker und einem Ranger. Der Wald ist tropisch, es ist noch feucht und rutschig vom Regen in der Nacht und der frische Duft der Natur steigt einem in die Nase. Immer wieder machten mir meine Schuhe zu schaffen – und empfehle nun keinem, dies mit hundskommunen Turnschuhen zu machen. Neben mir ragen unzählige, wunderschöne riesige Farne empor und John erklärt immer
wieder die Nutzung der verschiedenen Pflanzenarten vor allem in der Medizin. Ich bin wirklich froh um die kleinen Lernpausen zwischendurch.
Es ist nicht ganz ohne, das muss ich zugeben. Vor allem von dem Punkt an, als wir links querfeldein abbiegen und mir klar wird, dass der Berg vor mir zu erklimmen ist, wurde mir als Asthmatikerin doch etwas mulmig. John muss mit seinem Stock so einige Büsche kürzen ich kämpfe mich gleich dahinter durchs Gestrüpp. Jetzt geht’s nicht mehr weiter! Keine Luft und keinen Halt mehr, so wechsele ich mit einigen anderen Teilnehmern auf alle Viere – Diejenigen mit Wanderschuhen und festem Profil hatten da etwas mehr überlegt. Ich atme schwer, einige Tränen laufen an mir herunter, meine Kleidung voller Schlamm, ich bin wirklich kurz vor dem Aufgeben.
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Schaffe ich das wirklich…?

John ermutigt mich aber und bleibt stehen und macht ein Zeichen. Sind wir hier? Haben wir es geschafft? Wir sind nun bereits 3 Stunden unterwegs und schweissgebadet und langsam hätte ich doch nichts dagegen das Ziel zu erreichen – trotz einzigartiger Natur, brüllenden Affen und Vogelgezwitscher bunter Paradiesvögel. Und da waren sie, die gesuchten Spuren im Schlamm. Etwa doppelt so gross wie mein Fuss waren diese deutlich erkennbar und die abgebrochenen Bambusäste zeigen uns die Richtung. Wir folgen den Spuren leise und langsam. Immer wieder bleiben wir stehen und horchen, John meint etwas zu hören, ich leider nicht. Und wie aus dem nichts, keine 5 Meter weg von uns schwingt sich einer von ihnen, den seltenen, äusserst bedrohten Berggorillas! Nicht einmal mehr 900 dieser Primaten leben auf dieser Welt, ein Drittel ca. stammt aus diesem Nationalpark. Und ich war da!
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Bum, Bum, Bum…

…mein Herz meldet sich zu Wort und mit einer Mischung aus Adrenalin, Spannung und unendlicher Freude schaue ich dem Gorillaweibchen zu. Es landet etwa 3 Meter neben uns und läuft direkt auf uns zu. Was haben sie im Sicherheitsbriefing nochmals gesagt? Wie muss ich mich Verhalten? Mein Atem wurde schneller, das Gorillaweibchen streifte tatsächlich mein Hosenbein und mein Herz fiel mir fast in die Hose! Ich muss zugeben, ich brauchte einen Moment, bis sich meine Anspannung wieder ein wenig gelöst hat. Das Tier war diesbezüglich ziemlich desinteressiert ist nun auch ausser Sicht und wir steigen weiter den Hügel hinauf. Hinter einem Gebüsch da sind sie – die fast komplette Rushegura Gorillafamilie, die wir 3.5 Stunden gesucht haben. Die Grossfamilie hat 16 Mitglieder und auf die Schnelle sind nicht alle zu entdecken. Die Familie hatte kürzlich Zuwachs erhalten und das 2 Monate alte Baby mit zottligem Fell tollte herum, hangelt von Ast zu Ast und nervt die Mutter mit seinem Herumspringen. Ich würde lügen, würde ich nicht die Ähnlichkeit mit uns Menschen entdecken. Ein weiteres Gorillaweibchen mit ihrem älteren Kind kommt hinzu und blödeln zusammen herum. Ich höre ein Knacken ein bisschen links von mir.
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Wer ist denn da noch?

​Die zuckersüssen Gorillababys haben mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich den bekannten Silverback – das Familienoberhaupt jeder Gorillafamilie komplett vergessen
habe. Dieser hat sich soeben keine 10 Meter vonuns niedergelassen und fängt sofort an, genüsslich am Bambus zu knabbern und lässt sich durch unsere Anwesenheit überhaupt nicht stören. Dieses Tier war gigantisch, grösser als ich und sicher 200kg schwer. Diesem will ich definitiv nicht bei schlechter Laune begegnen!
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Und dann kommt das, was ich bisher als ein Klischee gehalten habe – der weltbekannte Gorilla-Brustklopfer! Und zwar vom 3 Jährigen Kind und es entzückte mich natürlich erneut. Diese Tiere haben mich so in ihren Bann gezogen, dass ich nicht merke, dass bereits eine Stunde um ist. Es dürfen lediglich 8 Touristen pro Tag eine Stunde bei einer Gorillafamilie verbringen, damit diese danach wieder ungestört sind. Ein letztes Foto geknipst und unendlich viele Eindrücke im Kopf und wir machen uns mit einem breiten Lächeln auf den Rückweg. Nach einer Stunde legen wir auf dem Hügel eine kleine Essenspause ein. Diese war optimal, dieses einzigartige Erlebnis erst einmal zu verdauen.
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Stille herrscht.

Niemand möchte gross reden. Ich wollte vor allem nicht reden, meine Gedanken noch komplett bei diesen schwarzen, dickfelligen Primaten, die uns doch so erstaunlich ähnlich sind. Ich hätte vermutlich noch Stunden einfach hier in den Wald starren können und mich in das Geschehen zurückzuversetzen aber wir müssen langsam los. Weitere 1.5 Stunden laufen wir durch den tropischen Wald. Unterwegs begegnen wir noch einigen Colobus Affen – die weiss-schwarzen Affen hangeln sich weit über uns auf den Bäumen. Ich muss jedoch zugeben, dass mich nach der Begegnung mit den Gorillas vermutlich alle zusätzlichen Tiererlebnisse an diesem Tag völlig kalt lassen. Dies ist zwei

Jahre her und trotz unzähligen Safaris immer noch das prägendste Tiererlebnis, welches mir mit jedem Detail und Gefühl geblieben ist. See you soon Uganda!

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